Grau in Blau

Annabel Kouris

Ich weiß die Stunden nicht

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Konzertierte Realitätsverweigerung

form7

Ehrlich gesagt, die Anteile des Pessimismus bezüglich des Allgemeinzustandes meines Landes sind noch einmal in die Höhe geschnellt. Denn obwohl seit Jahren zwei Entwicklungstendenzen immer stärker werden, die Anlass zu einer negativen Stimmung geben, sind die Gaukler der öffentlichen Meinung anders unterwegs. Die eine bedrohliche Kulisse ist die der inneren Entzweiung der Gesellschaft, ihre tiefe Spaltung in Arm und Reich, in Privilegiert und Ausgeschlossen, in Überfluss und Not. Und die zweite Katastrophe ist die seit nahezu zehn Jahren betriebene Isolation Deutschlands im internationalen Kontext. Austeritätspolitik bei der Bankenverschuldung hier und eine psychopathologisch getriebene Konfrontationspolitik mit Russland haben alle Voraussetzungen für ein neues internationales Debakel geschaffen, in dem Deutschland eine Hauptrolle spielen wird.

Und da stehen nun Bundestagswahlen an und es treffen sich die Kanzlerin und ihr Herausforderer in einem Fernsehduell. Die Realitätsverweigerung in diesem Land geht soweit, dass die Fragen, die essenziell für den Fortbestand der gegenwärtigen Verhältnisse stehen, gar…

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Von der abnehmenden Wärme in Zeiten des steigenden Lichtes

bittemito

Immer greller blinken die künstlichen Lichter, werben schlimm schreiend um Achtung und Aufmerksamkeit. Schwer ist es, sich in diesem fast stroboskopischen Augengelärme zu orientieren. Konsum als Flucht vor dem Besinnen des wirklichen Waageguts jener, denen der Ölzweig näher als das Schwert ist, um so weiter Justitias Mutter zu huldigen.

Gerechtigkeit und Billigkeit, deren Mißbrauch türmt sich hoch hinauf und fordert nur scheinbar einen Ausgleich. Ein anderer wird schon tun, was ich versäumte, ein nächster wird vielleicht meine Schuld begleichen und meine Würde ist eh unantastbar. Was so fest geschrieben steht, kann leicht mit den Füßen getreten werden.

Innerstes deucht nicht des Zusammenfegens würdig und wenn schon Scherben, was solls, mag sie ein anderer bereinigen. Das ureigene Tun ersäuft mitunter in Selbstmitleid und trübt süßwasserig den Blick. Wer Gutes will, meint oft nur das Gut des anderen. In diesem Glashaus sitzen wir nicht allein. Weder du noch ich.

Die scheinbare Ordnung…

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Save the journalists

Pascal Wiederkehr

I’m a local journalist. Some might consider me a community journalist. The definitions for community journalism vary. According to Jock Lauterer, lecturer in journalism at the University of North Carolina at Chapel Hill, and author of „Community Journalism: Relentlessly Local”: “You know community journalism when you see it.” In some ways, this seems like the Holy Grail of definitions to me. You’ll notice community journalism. There is no big picture of a national politician on the front page unless they happened to visit the town. And if a storm hits a foreign country, you’ll only read about it in the local news so long as it has affected the locals in your area in some way.

The difference between local journalism and community journalism is the difference between the macro and micro view. Local journalism covers all things which don’t matter nationally. Community journalism digs even deeper. In many…

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Mensch, Maschine IV: Homo ludens in der Falle

form7

Jede Phantasie, die sich mit der Kontrolle von Menschen beschäftigte, ob in fiktionaler Literatur oder wissenschaftlichen Abhandlungen, entpuppt sich im Nachhinein als eine naive Vorstellung. Von George Orwell bis H.G. Wells muss vor allem den so gescheiten Literaten attestiert werden, dass sie, gemeinsam mit dem Rest der Menschheit, zu ihrer Zeit keine Vorstellung davon haben konnten, was die digitale Technologie noch möglich machen sollte. Sowohl 1984 als auch Brave New World sind, betrachtet man die tatsächliche Entwicklung, aus heutiger Sicht romantische Darstellungen einer nicht gewollten Welt. Die Digitalisierung hat alles überboten, was die Kontrolle des homo sapiens anbetrifft. Und das große Phänomen, das mit der technischen Möglichkeit einher geht, ist die Tatsache, dass die Durchsetzung der totalen Kontrolle über keine extraordinäre Gewaltanwendung vonstatten gegangen ist.

Wie jede neue Technologie, so begann auch die digitale damit, zunächst die emanzipatorischen Möglichkeiten ihrer selbst hervorzuheben. Der freie und unbegrenzte Zugang zu Information, so…

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Es war einmal

sojungwiejetzt

Sie

Sie pflegte schnell aufzugeben. Ja, man könnte sagen, sie war Anstrengung leid geworden. Diese Faulheit tarnte sie stets als Schwäche, da man eher geneigt war, Schwäche zu entschuldigen, als besagte Unlust. Mit den Schwachen hatte man Mitleid. Man konnte sich mit augenscheinlich bedauernswerter Haltung insgeheim sogar schadenfroh überlegen fühlen.
Folglich war Schwäche also eine vorteilhaftere Maskerade der Faulheit. Andersherum war aber auch die Faulheit ihre Schwäche.

Einst war sie eine starke Frau voller Elan und Tatendrang. Irgendwann jedoch hatte sie beschlossen, genug geleistet zu haben und der Herausforderungen des Lebens überdrüssig zu sein. So legte sie also, von einen auf den anderen Tag wie es schien, die Lebenslust ab und konzentrierte sich von da an auf die kleinen Hürden, die der Alltag für sie bereit hielt und ihr immer wieder neue Gründe vor die Füße warf, dies und das nicht zu tun.

Ihre Tochter  war aus dem gleichen Holz…

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